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Weihnachtszeitung der Stadt Werneuchen von 1948

23.08.2011, Werneuchen - Kennen Sie das ehemalige Gut?

Ein historische Rückblick
(mk) Das Gut (als Bezeichnung für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb) mit Brennerei von Hans Müller umfasste von 1914 bis 1933 gleich bleibend immer 575 Hektar, bestehend aus 500 ha Acker, 20 ha Wiesen, 25 ha Holzungen und 30 ha im Umland. Es wurden im Jahr 1914: 34 Pferde und 35 Rinder, davon 20 Kühe gehalten. Diese Zahl stieg bis 1923 auf 50 Pferde und 90 Rinder, davon 40 Kühe. Bis zum Jahr 1929 stieg der Rinderbestand auf 124 Rinder, davon 90 Kühen an. Die Zahl der Pferde blieb in etwa gleich.
Hinter dem Gutshaus auf dem Hof war eine Brennerei untergebracht. Hier wurde Schnaps aus Kartoffeln für die Angestellten und für den Verkauf hergestellt. In den großen massiven Scheunen und Stallungen rund um das Gut wurden die Arbeitsgeräte, das Vieh und die erzeugten Produkte gelagert. Seitlich waren auch Wohngebäude für Festangestellte errichtet worden. Einige Gutsarbeiter standen in festen Arbeitsverträgen und arbeiteten meist auf festgelegten Positionen. Ein Teil von ihnen erhielt Wohnraum auf dem Gutshof und Wohnungen an der Landsberger Straße, sowie neben ihrem festgelegten Verdienst auch Holz und Kohlen zum Kochen und Heizen, Getreide, Milch und sonstige Naturalien. Gespannführer, Kutscher und Pferdeburschen hatten täglich die Pferde zu versorgen. Im Sommer wurde vor 5 Uhr aufgestanden und die Pferde gefüttert und geputzt. Bis 7 Uhr wurde angespannt, um zur Feldarbeit auszufahren. Mittags gab es auf den Feldern eine Pause, dann wurden die Pferde etwas gefüttert, angespannt und weiter bis 19.00 Uhr gearbeitet. Die Verteilung der Arbeiten fand auf dem Gut durch einen Vorarbeiter oder Inspektor statt. Er hatte einen Verwalter an seiner Seite, der die Arbeiten auf den Feldern beaufsichtigte und organisatorische Dinge erledigte. Zur Bewältigung der Arbeit wurden zusätzlich zahlreiche Tagelöhner, Erntehelfer und Hilfskräfte eingestellt. Diese Saisonkräfte waren vorwiegend bei der Ernte, beim Heu- und Getreideladen, Kartoffelracken und in der Waschküche beschäftigt. Die Tagelöhner arbeiteten meist im Akkord und wurden streng nach Leistung bezahlt. Sie waren überwiegend in der Landsberger Allee in den Gutsarbeiterhäusern untergebracht. In den 20-ziger Jahren wurden durch das Gut einige Felder mit einer versuchsweise einer technischen Neuerung gepflügt. Zwei „Lokomobile „ standen auf beiden Seiten eines Feldes und zogen über einem Seil einen Kipp- bzw. Wendepflug hin und her. Der Pflug hatte 8 Scharen und konnte durch die starken dampfbetriebenen Lokomobile große Flächen pflügen. In der Zeit des zweiten Weltkrieges herrschte immer mehr Arbeitskräfte- und Materialmangel. Die Einkünfte schrumpften. Vor der Einnahme der Stadt Werneuchen am 20. April 1945 durch die Sowjetarmee flüchteten viele Einwohner, unter ihnen auch die Familie Hans Müller.

Blick auf die Kirche

Der Schlossteich

Das Brennereigebäude

 

 

 

Link:

 

Geschichtliches aus Werneuchen, seinen Ortsteilen und Umgebung

Zahnarztpraxis (heute Papierwarenladen)

Die Breite Straße

Das Verwaltungsgebäude (wird z.Z. saniert)


Das Werneuchner Gutshaus und die dazu gehörenden Gebäude erlitten das Schicksal vieler der durch Flucht ihrer Bewohner in dieser Zeit verlassenen Häuser in der Stadt. Es wurde geplündert und die Inneneinrichtung weitestgehend zerstört. Zum Glück wurde es nicht wesentlich angegriffen.
Der gesamte Viehbestand wurde von den sowjetischen Besatzern aus der Stadt getrieben und der größte Teil wahrscheinlich in die Sowjetunion gebracht. In Werneuchen brach darauf eine schreckliche Hungersnot aus, welche zu einer hohen Sterblichkeit führte. Im Zuge der nachfolgenden Bodenreform wurde das Gut mit den Wohnhäusern, Stallanlagen, Scheunen und der Brennerei enteignet. Die Ländereien wurden als Bodenreformland landlosen Einwohnern und bäuerlichen Kriegsflüchtlingen übertragen. Die 575 Hektar Gutsland wurden folgendermaßen aufgeteilt: 48 Einwohner, Landarbeiter und landarme Bauern erhielten jeweils 5 Hektar Land (=240 ha), vier Hektar Wald (=192ha) und 0,25 Hektar Wiese . An 70 Arbeiter wurden jeweils 0,5 Hektar (=24ha) verteilt. Weil die neuen „Besitzer“ neben ihren z. T. auch unwirtschaftlichen Parzellen kaum über finanzielle und materielle Mittel verfügten, Landwirtschaft und Tierhaltung zu betreiben, waren die Folgen nun noch mehr Hunger und Elend. Ein großer Teil von den herrenlosen Wirtschaftsgebäuden des Gutes wurden u. a. von Neubauern als Baumaterialien für eigene Wohnhäuser und kleine Ställe verwendet. Die Gebäudereste verfielen und wurden nach und nach abgerissen. Der Landwirt Hans Anton Max Jakob Müller starb am 11. November 1953 im Alter von 70 Jahren.
Am 4.9.1955 berichtete der Tierzuchtsbrigadier der LPG "Ernst Thälmann" in der Zeitung „Neuer Tag“, dass sich in den LPG-Ställen Werneuchens insgesamt: 49 Kühe, 17 tragende Färsen, 66 Jungrinder, 11 Kälber und 1 Zuchtbulle befanden. Die Zahl der Pferde betrug 20 Pferde und 4 Fohlen. Demnach erreichte der gesamte sozialistische LPG-Tierbestand an Rindern und Pferden in Werneuchen im Jahr 1955 noch nicht einmal das Niveau des Gutes des Landwirts Hans Müller vom Jahr 1929.

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit
ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen
Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-

Hinweis: Nachrichtentexte geben den Sachstand am Tag ihrer Veröffentlichung wieder.

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