Straßenliste Wahlanfechtung Feuerwehr Jugendfeuerwehr Videos Inhaltsverzeichniss Kontakt Gästebuch Impressum

Startseite
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014


Heimatkundliches aus Werneuchen und der Umgebung


Satzungen der Stadt Werneuchen



Startseite
GO der SVV
Wasserbetrieb
Schmutzwasser
U-Siedlung
Vereine
Straßennutzung
Straßenreinigung
Verwaltung


Flag Counter Werneuchner Onlinezeitung


download

Weihnachtszeitung der Stadt Werneuchen von 1948

27.02.2012, Hirschfelde - Die ehemaligen bedeutenden Kunstschätze


(mk) Hirschfelde besaß von den 20-ziger bis in die 30-ziger Jahre die bedeutendsten Kunstschätze des ganzen Kreises. Neben dem alten Brunnen im Schlosspark, ausgegraben in der versunkenen Vesuvstadt Herkulanum existierte hier ein im Landkreis einmaliger und wertvoller Skulpturenpark mit dem berühmten weißen Stier aus Marmor, dem neoklassizistischen Bronzehirsch von  Louis Tuaillon, dem Schöpfer der berühmten "Amazone" vor der Berliner Nationalgalerie, der Eselreiterplastik und einem antiken Theater.

Der alte Brunnen im Schlosspark, ausgegraben in der versunkenen Stadt Herkulanum am Vesuv

Besonders wertvoll war der bedeutende Marmorbrunnen aus der Zeit 79 nach Chr. Diese Stadt war neben Pompej am 24. August 79 n. Chr. durch den Vulkanausbruch des Vesuvs verschüttet worden. Im 19. Jahrhundert wurde der einmalige und äußerst kostbare marmorne Brunnen  von Arnhold erworben und nach Deutschland überführt. Er schmückte die Achse der Kastanienallee mit Blick auf eine Skulptur an einem der Seitenflügel des Gutshauses. Heute fehlt das kostbare Geländer aus weißem Marmor - und das Wasser.

Diese Kunstschätze hatte Hirschfelde dem vermögenden jüdischen Unternehmer und Kunstmäzen Eduard Arnhold zu verdanken, der das Gut Hirschfelde Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb. Am 10. August 1925 starb E. Arnhold in Neuhaus am Schliersee. Seine Familie blieb im Besitz des Gutes. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann auch für Hirschfelde eine schlimme Zeit. Die jüdische Familie Arnhold musste emigrieren und den Hirschfelder Kunstbesitz übernahm der Tenor Carl Clewing.

Das Kriegsende bedeutete die Zerstörung und Plünderung des Gutes Hirschfelde.

Am 19.4.1945 und 20.4. hatten zwei "Trecks" mit fast allen Einwohner den Ort Hirschfelde vor den heranrückenden sowjetischen Streitkräften verlassen. Man war darauf vorbereitet gewesen und schon Tage zuvor hatten die Bauern ihre Wagen mit dem Notwendigsten und Wichtigsten beladen und abfahrbereit abgestellt.

Der Stier

Der Eselreiter

Die sowjetischen Truppen kamen von Norden und besetzten den Ort nach kurzen Scharmützeln mit Volkssturm und Wehrmacht bei denen die mittelalterliche Kirche beschädigt wurde. Von Hirschfelde erfolgte der weitere Vormarsch nach Werneuchen.

Als russische Truppen am 20. April 1945 den Ort besetzten, wurden die Gebäude nach Wert- und Gebrauchsgegenstände, besondere Wäschestücke und auch nach Lebensmitteln abgesucht. Der Ort insbesondere das Gut mit seinen Kunstschätzen blieb von einer Gruppe sowjetischer Soldaten in Folge besetzt und bewacht. Es kann nicht geklärt werden ob nicht schon vorher Kunstgegenstände verschwanden oder abtransportiert wurden, oder sowjetische Soldaten, Wehrmachtsangehörige oder einfach nur Diebesgesindel hier Kunstgegenstände entwendeten.

Das Schloss mit dem Bronzehirsch, 1925

Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 und nachdem sowjetische Truppen den nahe gelegenen Flugplatz Werneuchen als zentralen militärischen Stützpunkt nutzten, wurde die Gruppe sowjetischer Soldaten aus Hirschfelde abgezogen. In diesem Zuge wurde der aufwendige Transport der schweren verbliebenen Kunstgüter aus dem wüsten verlassenen Ort Hirschfelde auf gesichertes militärisches Gelände nach Werneuchen veranlasst. Selbst in Potsdam und auch in Berlin wurden besondere Kunst- und Kulturgüter in Folge bewacht oder auf bewachte Gelände verbracht.

Einmarsch russischer Truppen auf dem Flugplatz Werneuchen, 1952

Damit wurde der Stier und der Hirsch vor sicherem Vandalismus, Beschädigung oder sogar Diebstahl aus Hirschfelde durch die sowjetische Garnison bewahrt. Nach Zeitzeugenberichten stand noch lange ein großer Teil der Figuren und Skulpturen auf dem Gelände der heutigen Bildungs- und Jugendstätte Kurt Löwenstein. Von hier verschwanden sie mit der Zeit.

Der Hirsch auf dem Flugplatz in Werneuchen, 1952

Der Verbleib der kostbaren Brunnenumfassung aus der Zeit 79 nach Chr. ist bis heute ungeklärt. Sie gehört zu den vermissten "deutschen"  Kunst- und Kulturschätzen des 2. Weltkrieges.

In den Wendejahren und dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte gab die Stadt Werneuchen den tonnenschweren Hirsch aus Bronze an die Gemeinde Hirschfelde. Es gab wiederholt Bemühungen der Amtsverwaltung der damalig selbstständigen Gemeinde Hirschfelde um Rückführung des geraubten Hirschfelder Stiers aus  Bad Freienwalde. Auch brachten sich wiederholt Bürger aus Hirschfelde und auch aus Werneuchen mit ein. Nach der Eingemeindung Hirschfeldes wandte sich auch der Bürgermeister der Stadt Werneuchen B. Horn mehrmals persönlich an die Stadt Bad Freienwalde.

Das der Stier und der Hirsch aber womöglich private Besitzer haben, wurde noch nicht diskutiert. Carl Clewing starb jedenfalls kinderlos und die Spur der Familie Arnhold verlor sich im Exil.

 

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit
ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen
Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-

Hinweis: Nachrichtentexte geben den Sachstand am Tag ihrer Veröffentlichung wieder.

Impressum  Kontakt